Entwicklungsbereiche <  Inhalt >  Das letzte Jahr im Kindergarten

Unsere Kita als Sozialisationsinsel

Die Kindertageseinrichtung ist ein besonderer Ort für die kindliche Sozialisation, d.h. für die Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit. In unserem Haus erweitern die Kinder ihren Lebens- und Beziehungsradius. Soziale Erziehung ergibt sich im Alltag der Kita, im Rahmen des gemeinsamen Spielens, Gestaltens und Lernens. In uns Erzieherinnen begegnen ihnen neue Erwachsene, mit denen sie über lange Zeit vertrauensvolle Beziehungen eingehen können.

Ein Leitziel unseres pädagogischen Handelns ist, jedem Kind so zu begegnen, dass wir es in seiner Entwicklung stützen und fördern. Zentrales Bedürfnis eines jeden Kindes ist es, in seiner individuellen Persönlichkeit in der Gruppe akzeptiert und in die Gemeinschaft integriert zu werden. Das bedeutet für uns Erzieherinnen, immer wieder neu zu überprüfen, ob unsere Bilder von den einzelnen Kindern mit den realen Persönlichkeiten der Kinder übereinstimmen.

Wir müssen uns fragen, wie wir die Bedürfnisse der Kinder erfassen und pädagogisch angemessen reagieren können. Für uns bedeutet Integration das pädagogische Bemühen, alle Kinder in ihrer Persönlichkeit in der Gemeinschaft anund aufzunehmen.

„Wenn du und ich, wir alle trotz verschiedener Meinungen und Ansichten, verschiedener Werte und Religionen, verschiedener Herkunft und Hautfarbe, verschiedener Bedürfnisse und Wünsche, verschiedener Absichten und Ziele zusammensitzen, einander helfen, miteinander reden, aufeinander hören, voneinander lernen, füreinander da sind, geht manches leichter, wird vieles schöner, gelingt alles besser: Es wird Neues möglich - durch uns.“
(Max Feigenwinter)

In den altersgemischten Gruppen finden sich gleichaltrige, jüngere und ältere Kinder zum gemeinsamen Spiel, Essen, Sprechen und Streiten.

Im Alltagsleben erfahren die Kinder mit uns Erwachsenen eine Lebenskultur, die ihnen viele Möglichkeiten der Teilnahme und Mitgestaltung bieten. Herzstück unserer Kita ist die Küche, in der unsere Hauswirtschafterin täglich, unterstützt von den Erzieherinnen und den Kindern, Frühstück, Mittagessen, und Imbiss frisch zubereitet. Die gemeinsamen Mahlzeiten strukturieren den Tagesablauf. Unsere Cafeteria bietet einen zentralen und bedeutsamen Ort für das Frühstück. Auch hier sind die Kinder in alle "Arbeiten" einbezogen. Durch das Verarbeiten selbst angebauter Früchte, Gemüse und Kräuter leisten die Kinder einen eigenen Beitrag zur gesunden Ernährung. Unsere Kita ist durch die Selbstversorgung ein leib-sinnlicher Ort für genussvolles Essen und Trinken. Im Alltag unserer Kita findet soziales Lernen in allen Situationen statt, in denen Kinder und Erzieherinnen zusammen sind. Die Kinder lernen, miteinander in Kontakt zu treten, ihre Bedürfnisse zu äußern, Position zu beziehen. Sie erhalten Rückmeldungen zu ihrer Person und ihrem Verhalten und erfahren, wann ihre Bedürfnisse respektiert und wann sie abgelehnt werden.

Streit ist positiv. Wir Erzieherinnen unterstützen und schützen die Kinder in Streit- und Konfliktsituationen und helfen ihnen, Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Auch in unserer Streitkultur steht die Würde des Menschen und die Achtung vor der Persönlichkeit im Vordergrund. Es geht um die Bearbeitung verschiedener Positionen und Interessen ohne, dass Gewinner und Verlierer daraus hervorgehen. Die Kinder gewinnen so ein Gespür dafür, dass Toleranz und Akzeptanz den Umgang miteinander fördert.

Um ein konstruktives Zusammenleben in der Kindertageseinrichtung zu fördern, haben wir Verhaltensabsprachen und -regeln aufgestellt. Sie gelten gleichermaßen für Kinder und Erwachsene. Wir Erzieherinnen erläutern insbesondere den jüngeren Kindern altersgemäß den Sinn der Regeln und besprechen mit ihnen die Konsequenzen eines Regelverstoßes. Mit den ältereren Kindern suchen wir gemeinsam Vereinbarungen, die das Miteinander erleichtern. Unsere Regeln sind pädagogisch begründete und demokratisch vereinbarte Hilfen, die das soziale Miteinander gestalten.

Demokratische Formen der Beteiligung der Kinder an Entscheidungsprozessen sind für uns ein wichtiger Beitrag zur sozialen Erziehung in Gegenseitigkeit. Im Rahmen von z.B. der Besprechungszeiten auf Gruppenebene, der Vollversammlungen mit allen Kindern, Präsentationen, Festausschüssen und Mitgestaltung der Speisepläne bringen die Kinder ihre Ideen und Wünsche in die Gestaltung unserer Lebenskultur ein.

Im Verlauf des Jahres gliedern und deuten Rituale das Zusammenleben in unserer Kita. Sie geben den Kindern und Erzieherinnen das Gefühl der Zugehörigkeit und des Verbundenseins, vertiefen das Vertrauen und bieten Sicherheit. Sie berücksichtigen den persönlichen Lebensbereich wie Geburtstag, Abschied und den Jahreskreislauf wie z.B. Erntedankfest, Frühling-, Sommer-, Herbst- und Winteranfang. Sie rhythmisieren die Zeiterfahrung. Bei den Festvorbereitungen werden die Kinder sensibilisiert, ihre Umwelt und Mitmenschen wahrzunehmen, entsprechende Rituale und Bräuche zu verinnerlichen und später selbst fortzusetzen.

Das Leben und Erleben von Menschen außerhalb der Kita erweitern die sozialen Erfahrungen und Zusammenhänge. Dazu gehören Begegnungen, Erkundungen und Exkursionen in die nähere und weitere Umgebung mit all ihren Möglichkeiten, den unterschiedlichsten Berufsgruppen, sowie den besonderen und älteren Menschen in unserer Stadt.

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