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Das kompetente Kind

Die genetischen Grundlagen der kindlichen Entwicklung: Mit der Geburt besitzt das Kind die drei Grundvoraussetzungen für die Entwicklung seiner Persönlichkeit:

Die stufenweise Entwicklung des kindlichen Gehirns: Unsere kindorientierte Pädagogik basiert auf den Erkenntnissen der aktuellen Gehirnforschung (Neurobiologie). Danach entwickeln sich die Fähigkeiten und Funktionen des Gehirns stufenweise. Eine Stufe baut auf die andere Stufe auf. Die älteste Stufe, das Stammhirn, ist von Geburt an voll ausgebildet. Es steuert die Körperfunktionen wie z. B. Atmung, Stoffwechsel, die Instinkte, die sexuelle Entwicklung. Alle diese lebenswichtigen Funktionen verlaufen unbewusst.

Die zweite Stufe des kindlichen Gehirns ist das lymbische System. Diese Ebene des Gehirns verarbeitet alle Wahrnehmungen zu Gefühlen, Bewertungen und persönlichen Eindrücken, d.h. zu inneren Bildern. Kinder erleben alle Situationen und Ereignisse auf dieser gefühlsmäßigen, emotionalen Ebene. Eine Spielsituation oder ein Gespräch mit einer Erzieherin bewirken im Kind entweder Wohlbefinden oder Unwohlsein. Bis in die Pubertät hinein können Kinder sich von diesen inneren Empfindungen nicht distanzieren; sie können sich noch nicht fragen: "WARUM bin ich traurig?", "WARUM reagiere ich wütend?", "WARUM ärgere ich meinen Freund?", sondern vertrauen rein auf ihr Gefühl. Ein Kleinkind, das im Sandkasten sitzt und sich neugierig und genussvoll den Sand in den Mund steckt, will ausschließlich eine leib-sinnliche Erfahrung machen. Das ist seine einzige Absicht.

Die Fähigkeit zum Reflektieren, zum logischen Denken und Analysieren bildet sich erst mit der dritten Entwicklungsstufe des Gehirns aus: dem Neocortex. Diese Entwicklung setzt mit dem achten, neunten Lebensjahr ein und dauert bis zum Ende der Pubertät. Für die Entwicklung des Kindes ist das Zusammenspiel vom lymbischen System und dem Neocortex entscheidend.

Das Kind, das im Sand eine hoch komplizierte Burganlage baut, mit Gräben, Vorhöfen und einem verzweigten Tunnelsystem hat klare, deutliche Absichten. Es setzt seine Ideen in die Tat um. Durch die leibsinnliche Erfahrung mit dem Element Sand weiß es, wie der Bau der Burganlage gelingen kann.

Die Grobstruktur des Gehirns ist vorgegeben: Die Gehirnstruktur wird von einer Anzahl Nervenzellen, Nervenbahnen und Verknüpfungen gebildet. Das Wachsen der Nervenzellen, sowie die Entstehung der vielzähligen Verknüpfungen sind abhängig von den alltäglichen sinnlichen Erfahrungen des Kindes. Sie bilden sich also erst im Laufe der Entwicklung, innerhalb des kulturellen Umfeldes, aus- Das Kind nimmt alle Reize aus der Außenwelt über die Sinnesorgane Haut, Auge, Ohr, Nase, Zunge auf. Die so gewonnenen Sinneserfahrungen werden in den Gehirnzellen gespeichert und verarbeitet. Je mehr leib - sinnliche Erfahrungen gewonnnen werden, desto stärker wachsen die Gehirnzellen, desto zahlreicher und leistungsstärker werden die Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen. Sie brauchen vielfältige Gelegenheiten, in denen sie sich, unterschiedlich und flexibel, immer wieder neu bilden können.

Das bedeutet, dass Kompetenzen nicht dadurch gefördert werden, dass man sie in Trainingseinheiten übt, vielmehr brauchen sie vielfältige Gelegenheiten, in denen sie sich immer neu bilden können. In der Verarbeitung der aufgenommenen Sinnesreize erschließt das Kind die Bedeutung von Dingen. Menschen und Situationen - das heißt: Das Kind lernt.

Neurales Netz (bei der Geburt und mit 2 Monaten)

Lernen ist die aktive Leistung des kindlichen Gehirns, Reize aus seiner Umwelt aufzunehmen, zu speichern, auszuwerten und das Verhalten des Kindes zu ermöglichen.

Lernen heißt somit eigensinniges Erkunden und Aneignen der sozialen und ökologischen Umwelt. In diesem Sinne ist die kindliche Selbstentwicklung als Selbstbildung zu verstehen.

Das Kind ist Akteur seiner Entwicklung.

Je mehr Eindrücke, Bilder und Gefühle Kinder im lymbischen System entwickeln, desto stimmiger und differenzierter wird ihr Selbst- und Weltbild. Wir müssen also dem Wahrnehmen mindesten so viel Platz einräumen wie dem Nachdenken. Somit ist die Entwicklung des lymbischen Systems die Grundlage für die Funktion des Neocortex, d.h. für das logische Denken und das schöpferische Arbeiten und Sprechen des Kindes.

Für die erzieherische Praxis in unserer Kindertageseinrichtung bedeutet dies, dass wir jedem Kind Zeit und Raum gewähren müssen, die einzelnen Entwicklungsstufen individuell und aktiv zu gestalten. Das Prinzip der "achtsamen Pädagogik".

Die senso-motorische Phase, d.h. das sinnliche Spiel und Erleben ist die elementare Weise, in der sich das lymbische System entwickelt. Diese trägt die Entwicklung des Neocortex.

In den senso-motorischen Aktivitäten entwickeln die Kinder ihr Gespür für die Welt, ihre eigenen Interessen und Bewertungen.

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