Kinder können Bildung <  Inhalt >  Unsere Kita als Sozialisationsinsel

Entwicklungsbereiche

Freispiel Inhalt

Die elementare Form der kindlichen Entwicklung ist das freie Spiel. Spielend erobern die Kinder ihre Welt, entwickeln die innere Einstellungen, soziale Fähigkeiten und kreative Fertigkeiten. Im Spiel ist das Kind der Akteur seiner eigenen Entwicklung: Es sucht seinen eigenen Spielpartner, ist hoch motiviert, interessiert sich von sich aus für Dinge und Situationen, trifft eigene Entscheidungen, ist emotional engagiert. Im Spiel ist das Kind ganz bei sich und den Dingen, Personen, Tieren, mit denen es umgeht. Spielend entwickelt es grenzenlose Phantasie.

"Spiel und Lernen stehen nicht in einem fließenden Übergang zueinander, sondern sind miteinander verquickt. Kinder lernen beim Spiel. Sie spielen bestimmte Spiele, weil sie dadurch lernen."

Aus neurobiologischer Sicht ist das Spiel die bedeutsamste und intensivste Form kindlichen Lernens. Die Verknüpfung von sinnlichen Aktivitäten (greifen, tasten, laufen...), sozialen Handlungen (Rollenspiel), emotionalen Aktivitäten (Freude, Spannung, Staunen) und sprachlichen Handlungen (erzählen, fragen, benennen) machen das Spiel zu der
Grundform kindlicher Selbstbildung.

Was bedeutet das für uns?

Die Gestaltung und Ausstattung der Innen- und Außenräume und das Materialangebot in unserer Kindertageseinrichtung haben große Bedeutung und Auswirkung auf die Handlungsund Erfahrungsspielräume, sowie auf das emotionale und soziale Befinden der Kinder und uns Erzieherinnen. Mit der räumlichen Gestaltung finden wir Antworten auf die Fragen:

  • Welche Interessen, welche Bedürfnisse haben unsere Kinder derzeit?
  • Auf welcher Entwicklungsstufe befinden sich die Kinder?
  • Was wollen wir unseren Kindern "zumuten", damit sie sich weiterentwickeln können?
  • Was soll in unseren Räumen immer möglich sein?
  • Welche Räume stehen uns zur Verfügung?
  • Wie können die Räume ihrer Funktion entsprechend gestaltet werden?

In den selbst gewählten Freiräumen kann das Kind sich entwickeln, kreativ sein, bewegen, Verantwortung übernehmen, entscheiden, erfahren, forschen, ausprobieren, experimentieren...

  • in der großen Bewegungshalle
  • im Rollenspielbereich / Spielewerkstatt / Sprachwerkstatt
  • im Bau- und Konstruktionsraum
  • im Raum für kreatives Gestalten mit Farben und Materialien
  • im musisch-rhythmischen Bereich
  • in den verschiedenen Werkstätten
  • im Kleinkind-Gruppenraum
  • in den Räumen für die Schulkinder
  • im naturnahen Außengelände
  • im Bauwagen
  • wir stellen elementare Spielmaterialien (Knete, Lehm, Sand, Ton, Papier, Kleister, Farben, Holz...) bereit
  • wir greifen in unseren pädagogischen Aktivitäten Spielideen der Kinder auf
  • wir unterstützen das freie Spiel im Außengelände
  • wir beobachten diskret das freie Spielen der Kinder und gewinnen aus der Beobachtung heraus Hinweise zu den Entwicklungsschritten der Kinder

Die Spielmaterialien sind den Kindern jederzeit zugänglich, unsere Kinder entscheiden im Freispiel selbst

  • was sie spielen!
  • mit wem sie spielen!
  • wo sie spielen!
  • wie lange sie spielen!

Bewegung Inhalt

Ihr Bewegungsbedürfnis können unsere Kinder tagtäglich drinnen und draußen ausleben: sie haben durchgängig Bewegungsfreiheit. Unsere Räume bieten die unterschiedlichsten Bewegungsmöglichkeiten: Möbel, Decken zum Höhlen bauen, Podeste, der Fußboden zum spielen, krabbeln und kriechen, Platz zum tanzen und sich rhythmisch zu bewegen. In der Bewegungshalle inszenieren wir Erzieherinnen besondere Anlässe und Bewegungsspiele. Außerhalb von angeleiteten Bewegungsangeboten steht dieser Raum den Kindern jederzeit für unangeleitete Bewegungsspiele zur Verfügung.

Das Außengelände bietet verstärkt Möglichkeiten zum Hüpfen, Rennen, Balancieren, Schaukeln, Rutschen, zum Klettern und Runterspringen.

"Wer sich nicht bewegt, bleibt sitzen"
(R. Zimmer)

Die körperliche Bewegung ist ein elementares Bedürfnis von Kindern, denn hierbei werden motorische, geistige, emotionale und soziale Kompetenzen entwickelt, die für das ganze weitere Leben von Bedeutung sind.

Ich bewege mich,...

...um meinen Körper und mich selber kennenzulernen
  • Ich bekomme ein Bild von mir selbst.
  • Ich erfahre, was ich kann.
  • Ich probiere, meine Grenzen zu erweitern, indem ich mich mit meinen körperlichen Fähigkeiten auseinandersetze.

Ich bewege mich,...

...um meine Gefühle und Empfindungen auszudrücken
  • Mein Körper sagt: Freude, Zorn, Müdigkeit, Anspannung, Erregung, Mut, Angst.
  • Ich kann Empfindungen zeigen und verarbeiten..

Ich bewege mich,...

...um mit anderen etwas gemeinsames zu tun
  • Ich muß mich absprechen, nachgeben, durchsetzen.
  • Ich lerne Freunde kennen, ihre Fähigkeiten und Grenzen, meine Fähigkeiten und Grenzen.
  • Ich kann meinen Freunden helfen und sie mir.
  • Ich werde von meinen Freunden herausgefordert.
  • Es macht Spaß, sich gemeinsam zu bewegen.

Ich bewege mich,...

...um mich mit anderen zu vergleichen und zu messen
  • Ich erlebe Siege, die ich verarbeiten muß.
  • Ich erlebe Niederlagen, die ich ertragen lernen muß.
  • Ich erlebe den Unterschied von Mensch und Natur.
  • Ich werde herausgefordert, mich zu entwickeln.

Ich bewege mich,...

...um etwas herzustellen
  • Ich kann durch meinen Körper etwas erschaffen.
  • Ich verändere durch meine Bewegung etwas in der Welt.

Ich bewege mich,...

...um Gefühle zu erfahren
  • Ich erlebe durch den körperlichen Ausdruck meine Empfindungen.
  • Ich bilde mir eine Meinung über das, was mir gut tut, was mir schwer fällt, was ich brauche, was ich will, was ich nicht will.

Ich bewege mich,...

...um Leistungsfähigkeit zu steigern
  • Ich ertrage Belastungen.
  • Ich erspüre meine körperlichen Grenzen.
  • Ich passe mich selbst gesetzten und von außen gesetzten Anforderungen an.
  • Ich benutze meine Kraft, um stärker zu werden.

Ich bewege mich,...

...um die Welt um mich herum zu begreifen
  • Ich lerne Dinge und Räume meiner Umwelt kennen.
  • Ich setze mich mit Geräten, Werkzeug, Material und Natur auseinander und erfahre etwas über ihre Eigenschaften.
  • Ich lerne Dinge anzupassen.
  • Ich lerne Dinge zu verändern, damit ich sie benutzen kann.

Natur-Spiel-Räume Inhalt

Wir haben unser Außengelände bewusst naturnah gestaltet. Elementare Spielmaterialien wie Wasser, Erde, Sand, Lehm, Laub, Weidenzweige, Hölzer... aktivieren die sinnliche Wahrnehmung und regen das schöpferische Spiel der Kinder an. Die Wahrnehmung der natürlichen Sinnesmaterialien stimuliert die Entwicklung des kindlichen Gehirns. Je mehr unterschiedliche Materialien über die Sinne im Gehirn aufgenommen, verarbeitet und gespeichert werden, desto differenzierter verläuft die senso - motorische Entwicklung der Kinder. In diesem Sinne brauchen Kinder unserer Meinung nach vielfältige Spielmöglichkeitenund Erfahrungen mit Naturmaterialien. Im spielenden Umgang mit Pflanzen, Tieren und Materialien entwickeln Kinder eine Beziehung zu ihrer belebten Mitwelt. Sie staunen über Lebensvorgänge, lassen sich von Naturphänomenen tief ansprechen - "ein Marienkäfer!!!" - sprechen mit Tieren und Bäumen. Kinder erleben sich als Teil ihrer belebten Mitwelt. Im Verlauf ihrer Kindergartenzeit sammeln sie viele Erlebnisse und Bilder aus ihrem spielenden Umgang mit der Natur. Diese inneren Bilder und Erinnerungen bilden die Grundlage ihrer persönlichen Naturbeziehung.

Die Naturspielbereiche bieten vielfältige Lerngelegenheiten:

  • Kinder beobachten das Werden und Vergehen, erleben Leben und Tod
  • Kinder erleben Jahreszeiten, Klimawechsel
  • Kinder gärtnern mit Erzieherinnen
  • Kinder pflegen das Gelände mit Erzieherinnen
  • Kinder ernten Obst und Gemüse
  • Kinder verarbeiten mit den Erzieherinnen das Geerntete
  • Kinder erleben sich im Spiel mit den Naturelementen: heiß, kalt, schwindelig, schwer, müde, nass, stark...
  • Kinder konstruieren mit Naturmaterialien
  • Kinder gestalten mit Erzieherinnen kleine physikalische Experimente

Im Verlauf des Jahres suchen wir mit den Kindern weitere naturnahe Erlebnis- und Bildungswelten auf:

  • Bauernhof,
  • Tierpark,
  • Spaziergänge im nahen Umfeld, Versmolder Bruch

Ein besonderer Schwerpunkt unserer Naturpädagogik sind die regelmäßigen Walderlebniswochen im Jahreskreislauf. Sie ermöglichen aus unserer Sicht förderliche Erfahrungen für die gesamte kindliche Entwicklung, die in vergleichbarer Form und Vielfalt kaum in einem anderen Umfeld gemacht werden können.

Die Wahrnehmung von Pflanzen und Lebewesen mit allen Sinnen (tastenriechen- hören-fühlensehen) ermöglicht unseren Kindern ganz individuelle Erfahrungen, die im normalen Lebensalltag nur begrenzt gemacht werden können.

"Eine Holunderblüte im Wald nur mit den Augen zu sehen ist etwas anderes, als sie gleichzeitig zu riechen und zu erfühlen. Einen Fichtenzapfen zu tasten, ein Moosbeet zu riechen, eine Feder auf dem Gesicht zu spüren, den Wind hoch oben auf dem Luisenturm zu erleben, das Spiel von Licht und Schatten, Sonne, Wolken, Regen und Nebel bewusst zu erleben.."

Sprache Inhalt

Die Zeitspanne, in der die Kinder in der Kindertageseinrichtung leben, ist von großer Bedeutung für die kindliche Sprachentwicklung. Kinder lernen Sprache selbstständig und sind auf das Zusammenspiel mit Erwachsenen und anderen Kindern angewiesen. Das Kind ist abhängig davon, dass Kommunikation immer im Zusammenhang mit Beziehung steht (Liebe und Zugewandtheit, Blickkontakt, Einsatz von Mimik und Gestik), um sich über die nonverbale Phase hinaus sprachlich entwickeln zu können. Nur dann wird das Potenzial der Sprachentwicklung vollkommen ausgeschöpft. Dabei schreiten die Kinder von einfachen Elementen wie Ein- Wort-Sätzen, Zwei-Wort-Sätzen fort zu komplexeren Sätzen. Im Sprechen lernen Kinder grammatische Regeln. Keiner lehrt sie diese Regeln. Sie können vielmehr einen Satz grammatisch richtig aufbauen: "Ich will nach draußen spielen gehen", ohne je Subjekt, Prädikat und Ortsbestimmung gelernt zu haben. Gerade die Sprache zeigt, wie Kinder sich selbst bilden im Zusammenspiel mit den Erwachsenen, die sie begleiten. Wir sind Vorbilder für die Kinder: Unsere Sprachfreude inspiriert die Sprachfreude der Kinder. Wir hören den Kindern zu und lassen sie ausreden. Wir achten darauf, dass diese Gesprächskultur auch für unsere Kinder selbstverständlich wird.







Wir finden ruhige Gespächsorte in unserem Haus, die zum Verweilen einladen. Zudem werden gezielt Impulse für die differenzierte Sprachentwicklung der Kinder gesetzt:

  • durch Lieder, Reime, Erzählungen, Fingerspiele - durch Bilderbücher, qualitativ gute Tonkassetten (Balladen, Gedichte, Lieder)
  • Märchen
  • Schattenspiel, Puppentheater, Tischtheater, Stegreiftheater
  • Rollenspiel, Pantomime
  • Spielimpulse
  • Buchstabenspiele
  • Singen
  • Lauschspiele
  • durch bewusstes Gestalten alltäglicher Sprechsituationen (im Kinderkreis, in der Arbeitsbesprechung, in Konfliktgesprächen, beim Mittagessen...)

Sprachförderung geschieht in unserer Kindertageseinrichtung in allen Lebenssituationen und gezielten pädagogischen Aktivitäten. So entwickeln die Kinder ihre sprachlichen Voraussetzungen für das Lesen und Schreiben.

Isolierte Trainingsprogramme zur Sprachförderung lehnen wir aus entwicklungspsychologischen Gründen ab.

Sprachbaum von Wendtland

Die differenzierte Entwicklung der Sinne schafft im Gehirn die Voraussetzungen für die Sprachentwicklung (senso-motorische Integration).

Ästhetische Bildung Inhalt

Kreativ sein heißt schöpferisch gestalten können, mit Materialien eigene Vorstellungen, Gedanken und Gefühle ausdrücken können, Lösungen für Probleme finden. Wenn Kinder etwas Neues entdecken, müssen sie es zunächst wahrnehmend erforschen. Jedes "Ding" kann zu einem Mittel der Gestaltung werden. Daher lehnen wir die Arbeit mit vorgefertigten Schablonen ab.

In unserer Kindertageseinrichtung leben die Kinder überall ihre Kreativität aus:

  • im Bau von Bretterpfaden durch das überschwemmte Außengelände
  • im Kochen von Kräuter- und Beerensuppen
  • im Erfinden von "Quatschwörtern" und Phantasiegeschichten
  • im Vermenschlichen von Dingen und Spielfiguren,
  • im Ausdrücken von Gefühlen in Sand, Kleisterfarbe, Ton..
  • im Umgang mit "echtem" Werkzeug
  • im Musizieren im Orchester mit Gabel, Topfdeckel oder anderen Instrumenten
  • im Erfinden von Phantasiemaschinen mit Rohren, Pflastersteinen und Kiefernzapfen

Im kreativen, ästhetischen Gestalten gibt es keine Bewertung in schön, oder nicht schön, in richtig oder falsch. Wir sprechen mit den Kindern über ihre Eindrücke, wir legen gemeinsam mit ihnen fest, ob, in welcher Form und für wen die Kunstwerke "präsentiert" und veröffentlicht werden. Im gemeinsamen Singen, in rhythmischen Klang -und Bewegungsspielen erleben die Kinder ihre Freude am musischen Ausdruck, geben ihrer Stimme einen Klang, versetzen ihren Körper in Bewegungen. In ihren schöpferischen Aktivitäten geben uns die Kinder Einblick in ihre Gedanken, Empfindungen und Ansichten. Im schöpferischen Tun drücken sie sich selbst aus.

Kinder können Bildung <  Inhalt >  Unsere Kita als Sozialisationsinsel