Das kompetente Kind <  Inhalt >  Kinder können Bildung

Das Bindungsverhalten des Kindes

Das Neugeborene verfügt über sinnliche Fähigkeiten und vielfältige Verhaltensweisen, die es befähigen, mit seinen Eltern Kontakt aufzunehmen. Diese sozial-emotionale Kompetenz, d.h. das Bindungsverhalten, ist neben der Gehirnstruktur der zweite Grundpfeiler der kindlichen Selbstentwicklung. Die Ergebnisse der entwicklungspsychologischen Forschungen zum Bindungsverhalten des Kindes sind von weitreichenden Folgen für unser erzieherisches Verhalten. Wir gestalten bewusste Beziehungsarbeit.

Kinder kooperieren mit Erwachsenen

Kinder lieben Erwachsene. Sie richten ihr Verhalten nach den Erwartungen der Erwachsenen. Aus Angst, die Liebe und Zuwendung der Erwachsenen zu verlieren, geraten Kinder oft in Gefahr, eigene Bedürfnisse zu unterdrücken. So kann das Leistungsdenken von Eltern und Erzieherinnen im Kind einen Druck erzeugen, der sich negativ auf sein Selbstgefühl auswirkt.

Gelingt ihm die geforderte Leistung nicht, dann zweifelt es an seinen Kompetenzen und an seiner Persönlichkeit. Diese Selbstzweifel untergraben sein angeborenes Erkundungsverhalten und seine Lust am Spielen. Blockierendes Beispiel:

"Kind, steig nicht auf die Mauer, du wirst gleich herunterfallen." oder ermutigend:
"Wenn du mich brauchst, bin ich bei dir und halte dich."

Dieses Beispiel zeigt, wie sehr das Kind auf die bedingungslose und wertfreie Annahme angewiesen ist. Kinder brauchen die Liebe, Achtung und Wahrnehmung der Erwachsenen, der Eltern, der Erzieherinnen, um ihr Selbstgefühl zu entwickeln. Die liebevolle Annahme durch uns Erwachsene gibt ihnen die Basis, die alltäglichen Lernund Entwicklungsschritte zu realisieren.

Sind die Kinder klein, müssen wir ihnen helfen WURZELN zu fassen.
Sind sie aber groß geworden, müssen wir ihnen FLÜGEL schenken.
(indisches Sprichwort)

Kinder spiegeln in ihrem Verhalten das Verhalten der Erwachsenen:

  • ein Kind, das angelächelt wird, lächelt zurück
  • ein Kind, dem herzlich begegnet wird, verhält sich liebevoll
  • ein Kind, das nicht verletzt wird, kränkt andere nicht
  • ein Kind, das fair behandelt wird, behandelt andere fair
  • ein Kind, das ermutigt wird, gewinnt Selbstvertrauen
  • ein Kind, das akzeptiert wird, akzeptiert andere
  • ein Kind, das Toleranz erlebt, lernt Geduld

"Wenn ein Kind Geborgenheit und Freundschaft erfährt, wird es in der Welt Liebe entdecken."

Erwachsene sind Vorbilder für die Kinder

Erwachsene sind für Kinder die großen Vorbilder, die sie in vielfältiger Weise nachahmen: z.B. im Rollenspiel, beim Essen, in der Sprache, in der Bewegung, in Mimik und Gestik. Aus Liebe zu den Erwachsenen wollen die Kinder an ihren Tätigkeiten teilnehmen, z.B. am Kochen, beim Auto waschen, an der Gartenarbeit, beim Aufräumen u. a. In diesen "Rollenspielen" übernehmen sie die Werte, Meinungen und Urteile der Erwachsenen. Ohne Vorbilder wären die Kinder orientierungslos.

Kinder ko-konstruieren mit Erwachsenen

Kinder bauen ihr Bild von den Dingen und Menschen ihrer Umwelt im Zusammenspiel mit den Erwachsenen auf. Sie brauchen die Erwachsenen, die mit ihnen staunen, fragen, suchen...die ihre Neugier und Lust auf die Welt teilen. Sie brauchen keine "Besserwisser" und keine "Belehrer", sondern Verbündete, mit denen sie die Welt erkunden. Im Gespräch und Miteinander mit den Erwachsenen suchen sie Antworten auf ihre Fragen, vertiefen sie ihre Meinungen, entwickeln sie immer komplexere Vorstellungen und Bilder von sich selbst und ihrer Welt. Wer nichts Neues wahrnimmt, kann diese Bilderwelt nicht bereichern.

Daraus folgt für uns Erzieherinnen:

  • Im Kitaalltag sind wir wichtige Beziehungspersonen für die Kinder. Unser Verhalten ihnen gegenüber entscheidet darüber, ob sie sich für uns und das Leben in der Kindertageseinrichtung öffnen.
  • Wir bewerten die Kinder nicht nach dem Leistungsdenken der Erwachsenen, sondern achten ihre individuellen Begabungen, persönlichen Bedürfnisse und eigensinnigen Verhaltensweisen.
  • Wir sind Vorbilder für die Kinder, d.h. die Kinder erwarten von uns persönliche Interessen, Begeisterung und Engagement, fachliche Profile und Positionen.
  • Wir sehen uns als Lern- und Entwicklungsbegleiterinnen, die den Kindern kein fertiges Wissen vermitteln, sondern mit ihnen erleben, staunen, fragen und gemeinsam Lösungswege suchen.
  • Wir lassen die Kinder teilhaben an unseren kulturellen Überlieferungen und Wertvorstellungen. Wir helfen ihnen, ihre Erlebnisse, Erfahrungen und Beziehungen zu deuten und eigene Meinungen zu entwickeln.
  • Wir lassen den Kindern Zeit für ihre Entwicklung.
Das kompetente Kind <  Inhalt >  Kinder können Bildung